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Ein Ausschnitt aus dem Off-Text

Mitten in der Nacht wache ich auf. Das weiße Rauschen eines Fernsehers füllt den Raum.
Aber - in meinem Schlafzimmer gibt es keinen Fernseher.
Ich mag es nicht mit laufendem Fernseher einzuschlafen.
Und überhaupt fi nde ich es grässlich immer und überall einen Fernseher vor der Nase zu haben: Im Kiosk, in der U-Bahn, in der Kneipe, im Konferenzraum und neuerdings sogar bei meinem Zahnarzt. Er sagt, das entspanne seine Patienten ungemein. Mich nicht!
Ich sehe mich nach der Fernbedienung um und will das Gerät endlich abschalten. Das Flackerlicht des rauschenden Fernsehers löst die Konturen im Raum auf.
Dunkel erinnere ich mich, dass zwei Männer in mein Zimmer gekommen waren. Zwei kleine Männer, in meine Wohnung! Was machen die hier, woher haben die meinen Schlüssel!
Sie trugen einen großen Fernseher. In der Mitte des Raumes blieben sie stehen, stellten ihn ab und schalteten ihn ein. Ich war zu müde, um sie aufzuhalten.
Mich schienen sie dabei nicht zu sehen. Jedenfalls beachteten sie mich nicht im
Geringsten.Auf dem Bildschirm war nur Rauschen zu sehen. Ich schaute auf meine Hände, die sich in dem seltsamen Licht immer mehr aufzulösen schienen. Sie wurden langsam durchsichtig. Wie aus Glas.
Da ich die Fernbedienung nirgends sehen kann, stehe ich auf und gehe zum Fernseher, um ihn abzuschalten. Der fl ackernde Bildschirm steckt in einem schwarzen Kunststoffgehäuse, das vollkommen glatt ist. Kein Knopf, kein Schalter, keine Kontrollleuchten.
Jähe Müdigkeit zieht mich wie eine Ohnmacht zurück ins Bett. Wieder sehe ich meine durchsichtigen Hände und merke, wie sich die Aufl ösung mit dem zirkulierenden Blut langsam im ganzen Körper ausbreitet. Vom Herzen ausgehend werde ich zunehmend
durchsichtiger.
Erschrocken wache ich auf.
Der Raum ist vollkommen dunkel. Ich kann absolut nichts sehen.
Meine Hand tastet nach der Nachttischlampe, die irgendwann angeht.
Blinzelnd sehe ich, dass neben meiner Hand eine Fernbedienung liegt.
Ich richte mich ein wenig auf, und schaue mich im Raum um.
Doch ein Bildschirm ist nirgends zu sehen.
Auch keine kleinen Männer. Es ist beängstigend still. Eine tonlose Welt.